
Bauen, Märkisches Museum, Marinehaus
Die Sanierung des Märkischen Museum und des Marinehaus schreitet voran. Zwischen Staub, Maschinenlärm und matschigen Wegen lassen sich erste Räume erahnen. Eine Annäherung an den Kosmos Baustelle.
Marinehaus (links) und Märkisches Museum (rechts) © Luca Girardini
Das Märkische Museum liegt mitten in Berlin und doch ein wenig versteckt. Von der Jannowitzbrücke führt der Weg an der chinesischen Botschaft vorbei in die Wallstraße hinein und weiter entlang an der Spree. Sobald der Fluss eine leichte Biegung nimmt, öffnet sich der Blick auf die große Baustelle. Der Backsteinbau mit seinem markanten Turm, den viele für eine Kirche halten, erhebt sich massiv.
Gegenüber, am Köllnischen Park, wird die Außenwand des Marinehauses durch eine schwere Stahlkonstruktion gestützt – beide Gebäude gehören zur Stiftung Stadtmuseum Berlin. Zäune, Schranken und ein Drehkreuz sichern das Areal.
Um die Bauarbeiten aus der Nähe zu betrachten, müssen Besucher:innen vorab angemeldet sein und sich an einem weißen Container ausweisen. Auch hinter dem Bauzaun gelten strenge Sicherheitsregeln: Helm, Weste und schwere Arbeitsschuhe sind Pflicht – ebenso für die Mitarbeiterinnen der Stiftung, denen die Baureferentin des Stadtmuseums Berlin, Isabelle Nispel, den Fortschritt der Arbeiten zeigt.
In voller Schutzmontur geht es in den ersten Hof des Märkischen Museums. „Hier wird später der neue Eingang sein“, erklärt Isabelle Nispel. Ein Grund für die Verlegung in den Innenhof ist die zukünftige barrierefreie Erschließung, ein zentraler Bestandteil des Umbaukonzeptes von SSP Rüthnick Architekten. So sollen Menschen mit Kinderwagen, Rollstühlen oder Rollatoren künftig ebenerdig, oder über einen Aufzug alle Räume erreichen können.
Im Keller des Märkischen Museums © Luca Girardini
Weiter geht es in den Keller. Es staubt und dröhnt, während ein großer Bohrer stabile Pfähle in den Boden treibt. Wegen der Nähe zur Spree ruhen das Märkische Museum und das Marinehaus auf bis zu acht Meter langen Pfählen. Damit der Keller künftig trocken ist und dem spreenahen Grundwasser standhält, wurde im Märkischen Museum zusätzlich eine abdichtende Konstruktion aus Stahlwänden und wasserundurchlässigem Beton hergestellt.
Eine Treppe führt anschließend nach oben, vorbei an in Holz „verpackten“ Spolien in den Turm des Märkischen Museums. Tageslicht fällt durch das runde Ornament-Fenster, und der Blick über die Stadt ist beeindruckend. Nach der Wiedereröffnung sollen auch Besucher:innen diese Aussicht genießen können.
Das Marinehaus ist entkernt © Luca Girardini
Auf der gegenüberliegenden Seite der gesperrten Straße Am Köllnischen Park steht das Marinehaus. Das Vorderhaus des mehrgeschossigen Gebäudes ist nur noch eine Hülle, die außen durch schwere Stahlkonstruktionen gehalten wird. „Sonst würde es wie ein Kartenhaus in sich zusammenfallen“, erklärt Isabelle Nispel.
Während das Märkische Museum mit seinen unterschiedlichen Baustilen fast labyrinthartig wirkt, ist das Marinehaus in seinem jetzigen Zustand eine große offene Fläche. Eigentlich gilt auf einer Baustelle die klare Regel: Immer auf den Weg schauen und niemals rückwärtsgehen. Doch das fällt schwer. Der Blick reicht vom Keller bis unters Dach. Bunte Graffiti lassen erahnen, wo einst die Geschosse waren. Mehr als 30 Jahre stand das Gebäude leer, wurde als Lost Place zur Spielwiese für Street-Art-Künstler:innen.
Über Bewehrungsstahl geht es im Storchenschritt durch das Erdgeschoss ins schummrige Treppenhaus an der Gebäuderückseite. Im Wettbewerb konnte sich der Entwurf des dänischen Architekturbüros ADEPT durchsetzen, der eine mehrstöckige Haus-im-Haus-Konstruktion für das entkernte Marinehaus vorsieht. Es soll in Zukunft als Kulturzentrum mit Veranstaltungsräumen, einem Theater, Werkstätten, einem Café und Künstler:innen-Studios die künstlerische Auseinandersetzung mit unserer Stadt fördern.
Bis sich Märkisches Museum und Marinehaus wieder mit kulturellem Leben füllen, liegen noch einige (Um-)Bauarbeiten vor uns. Dieser Blog wird sie begleiten.
Das Märkische Museum am Köllnischen Park – Stammhaus der Stiftung Stadtmuseum Berlin – wurde 1908 als hochmodernes Museum eröffnet. Zur damaligen Zeit war Barrierefreiheit noch kein Thema, und es gab ganz andere Museumskonzepte als heute. Durch den Umbau nach dem Entwurf von SSP Rüthnick Architekten soll sich das Gebäude für alle Besucher:innen öffnen, auch für Menschen in Rollstühlen oder im Kinderwagen. Zudem muss es technisch und baulich ertüchtigt werden. So werden Licht- und Verdunklungstechnik erneuert und der Turm wird erstmals dauerhaft für Besucher:innen erschlossen.
Noch tiefgreifender sind die Baumaßnahmen im Marinehaus. Das Gebäude stand über 30 Jahre leer und hat in seiner Geschichte verschiedene Umnutzungen und Umbauten erlebt. So wurden 1970 während der Nutzungszeit des Freien Deutschen Gewerkschaftsbundes (FDGB) Zwischendecken in den Saalbau eingezogen. Während des Umbaus wird das Vorderhaus nun entkernt. Nur die Außenhülle bleibt bestehen. Innen wird eine mehrstöckige Haus-im-Haus-Konstruktion aus Holz nach den Plänen des dänischen Architekturbüros ADEPT eingebaut, deren Entwurf sich in einem Wettbewerb durchsetzen konnte.
Am künstlerischen Konzept beider Häuser wird gearbeitet. Im Märkischen Museum werden die Präsentationen grundlegend erneuert. Dauer- wie Wechselausstellungen werden mit den bedeutenden Sammlungen der Stiftung Stadtmuseum Berlin ebenso arbeiten wie mit Medien und neuen Formen musealen Erzählens. Das Marinehaus soll ein Kulturzentrum und kreatives Wohnzimmer für ganz Berlin werden: mit großem Veranstaltungsaal, eigenem Theater, Künstler:innen-Studios, verschiedenen Werkstätten und Gastronomie.
Momentan ist eine Wiedereröffnung des Märkischen Museum und des Marinehaus für 2029 vorgesehen.