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Marinehaus Märkisches Museum

Baujournal

Der Blog zu den (Um-)Bauarbeiten am Köllnischen Park









  • Bild: Marinehaus (links) und Märkisches Museum (rechts) © Stiftung Stadtmuseum Berlin, Foto: Luca Girardini

Neueste Beiträge



  • Bild: Berliner Stadtfuchs © Sophia Kimmig
Ökologie, Märkisches Museum, Marinehaus

Im Einklang mit dem Artenschutz

Wer lebt auf der Baustelle? 2. Juli 2026 — Judith Jenner
Architektur, Marinehaus

Das Haus im Haus

Interview 12. Juni 2026 — mit Martin Krogh / ADEPT
Bauen, Märkisches Museum

Märkische Mischung

Fotogalerie 29. April 2026 — mit Fotos von Luca Girardini



  • Bild: © Stiftung Stadtmuseum Berlin, Foto: Anne Preussel



Ökologie, Märkisches Museum, Marinehaus

Im Einklang mit dem Artenschutz

Wer lebt auf der Baustelle? 02. Juli 2026 — Judith Jenner

Beim Umbau von Marinehaus und Märkischem Museum werden auch die tierischen Bewohner bedacht: Was die ökologische Baubegleitung ausmacht und warum sie wichtig ist.

Bereits während ihrer Promotion befasste sich Dr. Sonja Kübler mit gebäudebewohnenden Arten, darunter mit Vögeln und Fledermäusen. In Mauerspalten, unter Vorsprüngen, auf oder unter Dächern ziehen die Tiere ihren Nachwuchs auf, nutzen Quartiere oder finden Schutz vor Feinden und der Witterung. Mit dieser Expertise hat die Landschaftsökologin die ökologische Baubegleitung (ÖBB) für das Marinehaus übernommen. Sie überwacht die Einhaltung naturschutzfachlicher Vorgaben während der Bauarbeiten und achtet darauf, dass artenschutzrechtliche Anforderungen berücksichtigt werden. „Lassen Indizien wie Schalenreste, Federn oder Kot auf die Nutzung eines Gebäudes durch geschützte Arten schließen, müssen geeignete Ersatzquartiere oder Nisthilfen geschaffen und gegebenenfalls weitere Vorkehrungen zum Schutz der Tiere, sogenannte Vermeidungsmaßnahmen, eingehalten werden“, sagt sie.

Hausrotschwanz, beobachtet im März 2024 im Tiergartenviertel

  • Bild: © Stiftung Stadtmuseum Berlin Reproduktion: Michael Setzpfandt; Berlin

Haussperling, Passer domesticus Berlin, 24.07.2003 Tierpräparat aus der Sammlung Zoologie des Stadtmuseum Berlin. Zur Sammlung Online

  • Bild: Berliner Stadtfuchs © Sophia Kimmig

Berliner Stadtfuchs

Blaumeise, beobachtet im September 2022 im Tiergarten

Obwohl das Marinehaus lange leer stand, fand Sonja Kübler relativ wenige Hinweise auf Tiere. Meisen, Ringeltauben, Hausrotschwänze und vereinzelt Zwergfledermäuse nutzten das Marinehaus als Habitat. Auch ein Fuchs mit seinen Jungen hat sich dort zeitweise aufgehalten, obwohl seine Behausung nie gefunden wurde. Für die fliegenden Bewohner wurden an zwei Raumgerüsten in den Höfen sowie an Bäumen Nistkästen angebracht in der Annahme, dass sie die Tiere bis zur Fertigstellung der Sanierungsmaßnahmen akzeptieren. Denn nach der Sanierung sind auch Ersatzkästen am Marinehaus selbst verfügbar.



  • Bild: © Stiftung Stadtmuseum Berlin | Foto: Luca Girardini

Ersatznistkästen im Innenhof des Marinehauses

Dass sie nicht mehr Arten gefunden hat, könnte laut Sonja Kübler mit dem im Nachbarhaus der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung nistenden Turmfalken zu tun haben, der sich unter anderem von Vögeln ernährt. „Falken können einen Vergrämungseffekt haben“, sagt sie.

Mit der ersten Kartierung ist die Arbeit von Sonja Kübler am Marinehaus nicht vorbei. Auch während der laufenden Arbeiten überprüft sie immer wieder die Baustelle. Die gleichen Aufgaben übernimmt ihre Kollegin Beate Kitzmann vom Verein Naturschutz Berlin-Malchow für das Märkische Museum. Auch sie klingt fast ein bisschen enttäuscht, wenn man sie nach ihren Funden fragt. „Ich hätte gedacht, dass die Zierornamente der Fassade oder die Nischen zwischen den Klinkersteinen von Tieren wie Fledermäusen als Lebensstätte genutzt werden“, sagt sie. „Bisher konnte ich das noch nicht nachweisen.“

Schützenswert sind nicht nur Nist- oder Schlafplätze, sondern auch Orte, an denen sich die Tiere tagsüber aufhalten. Nachweisen konnte Beate Kitzmann bisher die Brutstätten von Kleinvögeln wie dem Haussperling, aber auch Wespennester an der Fassade. Sie werden zwar kartiert, Ersatzmaßnahmen sind aber Stand jetzt nicht notwendig.



Auf Spurensuche

Am besten funktioniert die Zusammenarbeit mit der Bauherrenschaft für Beate Kitzmann, wenn sie bereits in der Planungsphase einbezogen wird. So kann sie sich früh einen Überblick verschaffen, welche Tiere auf dem Grundstück leben – anfangs mit Fernglas und Teleobjektiv. Später, sobald das Gerüst steht, schaut sie mit dem Endoskop in jede Nische. „Da gibt es inzwischen Modelle mit Licht, die sich ans Handy anschließen lassen“, sagt sie. „Damit kann ich nach Kotkrümeln von Fledermäusen oder fettigen Abdrücken von ihrem Fell schauen. Nistmaterial wie Gras oder Moos können ein Hinweis auf Vögel sein.“ Bei solchen Einsätzen vergleicht die Biologin ihre Arbeit mit der einer Detektivin. Ihr Ziel: den Artenreichtum in der Stadt erhalten.

Eine Gattung der Zwergfledermäuse, beobachtet im Oktober 2024 in Neulewin, Brandenburg

Turmfalke, beobachtet am Berliner Hauptbahnhof im Oktober 2022

Feldwespe, beobachtet am Alexanderplatz im Juni 2024

Ringeltaube, beobachtet im Mai 2024 in der Berliner Heinrich-Heine-Straße

Arten- und Denkmalschutz stehen für Beate Kitzmann nicht im Widerspruch. Sie hat Projekte wie das Rathaus Lichtenberg betreut, wo montierte Nistkästen in der gleichen Farbe wie die Fassade gestrichen sind und kaum auffallen. Bei anderen Baustellen wurden im Dachkasten unauffällige Nischen geschaffen. Selbst mit vorgefertigten Vogel- oder Fledermauskästen funktioniere das, wenn alle Beteiligten gut zusammenarbeiten, so die Expertin.

Was Beate Kitzmann an ihrem Job liebt: Sie tut nicht nur etwas für die Artenvielfalt, sondern bekommt einen Einblick in historische Gebäude und Bauvorhaben wie kaum jemand anderes. Am Märkischen Museum hat sie besonders der Ausblick vom Turm auf Berlin fasziniert. „Ich kann kaum erwarten das fertig sanierte Gebäude zu besuchen“, sagt sie.



Über die Autorin

Judith Jenner ist freie Journalistin aus Berlin. Sie schreibt schwerpunktmäßig über Architektur, Bauen und Stadtentwicklung. Besonders interessieren sie die Menschen und Geschichten, die hinter Bauprojekten stecken.



  • Bild: Im Marinehaus © Stiftung Stadtmuseum Berlin, Foto: Anne Preussel



Architektur, Marinehaus

Das Haus im Haus

Interview 12. Juni 2026 — mit Martin Krogh / ADEPT

Das Marinehaus wird aktuell nach den Plänen des Architekturbüros ADEPT (Kopenhagen und Hamburg) umgebaut. Wie der Entwurf entstanden ist, erklärt Gründungspartner Martin Krogh im Interview.

Momentan ist das Marinehaus noch eine große Baustelle. Denn der Bau aus dem Jahr 1908 wird gerade saniert. Doch der historische Charme und die Spuren aus mehr als 30 Jahren Leerstand sollen auch nach dem Umbau noch zu sehen sein, betont Martin Krogh vom Büro ADEPT im Interview. Er erklärt, warum ihr erstes Projekt in Berlin auch das komplizierteste in der Geschichte des Büros ist.



Wie kam es zu dem Entwurf für das Marinehaus?

Martin Krogh: Wir haben uns neben vielen anderen internationalen Büros an einem von der Bauherrin, der BIM, ausgeschriebenen Wettbewerb beteiligt. Unser Entwurf sollte sich deutlich abheben und verschiedenen Herausforderungen standhalten. So entstand unsere Idee zu einem „Haus im Haus“.

  • Bild: © ADEPT

Was ist damit gemeint?

Martin Krogh: Die Idee ist, die historische Fassade als Außenhülle zu bewahren und dann als Kontrast dazu eine neue, feinfühlige Intervention im Inneren zu schaffen. Die historischen Spuren bleiben sichtbar, all die Narben und Wunden, die das Gebäude im Laufe der Zeit davongetragen hat, Graffiti, alte Verkleidungen oder Löcher, die wir im Raum zu erhalten versuchen. Beim Betreten des Gebäudes spürt man immer noch die Höhe und das Volumen des Bestands. Der neue Baukörper steht dazu mit seiner schlichten Einfachheit im Kontrast, weil er in Form und Material sehr filigran und klar gegliedert ist. Von außen betrachtet, stellen wir in erster Linie das historische Erscheinungsbild der Fassade wieder her. Durch die Fenster wird man aber sehen, dass sich im Inneren etwas Neues tut.

Gibt es Projekte von ADEPT mit ähnlichen Ansätzen?

Martin Krogh: Von der Nutzung her ähnlich, aber nicht vergleichbar, ist das von uns 2016 fertiggestellte Kultur- und Bewegungszentrum Ku.Be in Kopenhagen. Die Idee war, die Hülle mit mehreren kleinen Baukörpern auszufüllen, jedes mit einer eigenen Funktion. Für den Entwurf des Marinehauses spielte dieses Projekt aber keine Rolle, er entstand eher aus der Betrachtung des Standorts, des Bestands.

Worin liegt für ADEPT die Besonderheit des Projekts Marinehaus?

Martin Krogh: Für uns in Kopenhagen ist es sehr ungewöhnlich, dass ein so zentral gelegenes Gebäude mehr als 35 Jahre leer stand. Hier findet sich normalerweise immer eine Nutzung. Aber in gewisser Weise hat es etwas Poetisches an sich, was sich auch in den Bildern zeigt, die die Künstlerin Elisabeth Störmer-Hemmelgarn von dem Gebäude gemalt hat.

Das Marinehaus soll nach seiner Eröffnung flexibel nutzbar sein. Inwiefern berücksichtigt das der Entwurf?

Martin Krogh: Unser Einbau ist bewusst mit wenigen Materialien gestaltet und in archetypische Räume unterteilt, die in Bezug auf Belüftung und Akustik sehr gut funktionieren. Was also als Werkstatt für Künstler:innen gedacht sein kann, funktioniert auch als Büro- oder Besprechungsraum. Sie wirken sehr schlicht, was wahrscheinlich auch mit dem nordischen Einfluss zu tun hat. Dänisches Design ist Teil unserer DNA. Für uns zählt immer der Kontext, dennoch steckt ein Stück skandinavischen Erbes wohl in jedem unserer Projekte.

  • Bild: © ADEPT

Warum war Holz das Material der Wahl für den Einbau?

Martin Krogh: Es ist ein schönes, nachhaltiges Material und zugleich zeitlos. Wir haben das Holz an einigen Stellen perforiert* und dahinter Schallabsorber* angebracht. So sorgt es auch für ein gutes Raumklima und ist in akustischer Hinsicht wirksam, was für die Funktionalität des Gebäudes wichtig ist. Der Einbau wirkt wie ein Objekt, wie ein Möbelstück. Dafür ist Holz die richtige Wahl.

Inwiefern denkt der Entwurf die Umgebung mit?

Martin Krogh: Das Marinehaus hat das Potential die Nachbarschaft zu verändern. Ich kann mir vorstellen, dass es zu einem Treffpunkt für die Anwohner:innen wird und freue mich schon auf die Eröffnung.



*Gut zu wissen:

Was ist Perforation und was sind Schallabsorber? Jetzt nachlesen im Glossar von BauNetz Wissen.



  • Bild: Im Märkischen Museum © Stiftung Stadtmuseum Berlin, Foto: Luca Girardini



Bauen, Märkisches Museum

Märkische Mischung

Fotogalerie 29. April 2026 — mit Fotos von Luca Girardini

Die Architektur des Märkischen Museums zitiert regionale Baustile aus verschiedenen Epochen und ermöglicht es so, durch ganz unterschiedliche Räume und Stimmungen zu flanieren. Der Umbau bewahrt dieses Erbe und überführt den Bau zugleich in die heutige Zeit: barrierefrei(er), mit neuem großzügigeren Eingangsbereich und mit optimierter technischer Ausstattung. Bilder der Baustelle zeigen, wie die Arbeiten voranschreiten.

  • Bild: © Stiftung Stadtmuseum Berlin, Foto: Luca Girardini

Der markante Turm des Märkischen Museums grüßt die Berliner:innen über Kilometer hinweg.

  • Bild: © Stiftung Stadtmuseum Berlin, Foto: Luca Girardini

Der Turm bietet einen Rundum-Blick über Berlin. Die Sanierung erschließt diese Aussicht erstmals für Besucher:innen des Märkischen Museums.

  • Bild: © Stiftung Stadtmuseum Berlin, Foto: Luca Girardini

Zukünftig wird ein Fahrstuhl den barrierefreien Zugang zum Turm ermöglichen.

  • Bild: © Stiftung Stadtmuseum Berlin, Foto: Luca Girardini

Ein Blick in das Holzbalken-Dach. Für den Zugang zum Turm werden Teile dieses Dachraumes rückgebaut. Im hier entstehenden Aufenthaltsbereich wird man durch eine Öffnung im Boden in die darunterliegende Eingangshalle blicken können.

  • Bild: © Stiftung Stadtmuseum Berlin, Foto: Luca Girardini

Barocke Korbbögen* und Kreuzgewölbe prägen diesen Raum im Erdgeschoss. In den kleinteiligen Räumen wurden Zwischenwände entfernt, um eine große Ausstellungsfläche zu erhalten.

  • Bild: © Stiftung Stadtmuseum Berlin, Foto: Luca Girardini

Der Keller des Märkischen Museums wird momentan ertüchtigt. Das Gebäude wird aufgrund der Bodenbeschaffenheit von metertiefen Bestands-Holzpfählen in der Erde getragen. Diese wurde im Rahmen des Umbaus mit Mikro-Pfählen ergänzt.

  • Bild: © Stiftung Stadtmuseum Berlin, Foto: Luca Girardini

Die neue Betonkonstruktion trägt einen kleinen Innenhof, der zukünftig mit neuer Fluchttreppe als Rettungsweg genutzt wird. Ursprünglich war hier Erdreich. Nun ist der Boden des Innenhofs somit eine Art Flachdach und muss entwässert werden.

  • Bild: © Stiftung Stadtmuseum Berlin, Foto: Luca Girardini

Die charakteristischen Ziegel, an denen das Märkische Museum schon von Weitem erkennbar ist, prägen auch diesen Raum unter der gotischen Kapelle.

  • Bild: © Stiftung Stadtmuseum Berlin, Foto: Luca Girardini

Um historische Böden und Holzvertäfelungen vor Schäden durch die Bauarbeiten zu schützen, sind sie weitgehend abgedeckt und abgeschirmt.

  • Bild: © Stiftung Stadtmuseum Berlin, Foto: Luca Girardini

Nachdem im ehemaligem Eingangsbereich die alten Böden entfernt wurden, kommt die Schüttung* zutage.

  • Bild: © Stiftung Stadtmuseum Berlin, Foto: Luca Girardini

Die Wilsnacker Glocke im Großen Saal des Märkischen Museums ist während der Bauarbeiten durch einen Sperrholzkasten geschützt.

  • Bild: © Stiftung Stadtmuseum Berlin, Foto: Luca Girardini

Die architektonische Vielfalt des Märkischen Museums zeigt sich auch in den Decken. Diesem schlichten Ausstellungsraum gibt eine prunkvolle Kassettendecke im Stil des Barocks eine besondere Atmosphäre.

  • Bild: © Stiftung Stadtmuseum Berlin, Foto: Luca Girardini

Einige große an den Wänden hängende Exponate wurden für die Renovierungsarbeiten eingehaust. Die Schrift an den Wänden zeugt vom Museumsbetrieb vor der temporären Schließung.

*Gut zu wissen:

Was sind Korbbögen und Schüttungen? Jetzt nachlesen im Glossar von BauNetz Wissen.



  • Bild: Eine Stahlkonstruktion stützt das entkernte Marinehaus © Stiftung Stadtmuseum Berlin, Foto: Luca Girardini



Bauen, Marinehaus

Historische Hülle

Fotogalerie: Das entkernte Marinehaus 19. März 2026 — mit Fotos von Luca Girardini

Im entkernten Marinehaus treffen Spuren der Vergangenheit auf Visionen für die Zukunft. Bilder der Baustelle zeigen, wie Umbauten und Leerstand das Haus verändert haben. Zugleich zeichnet sich ab, wohin sich der Bau in Zukunft entwickeln wird.



  • Bild: © Stiftung Stadtmuseum Berlin, Foto: Luca Girardini

Der Saalbau ist das Herzstück des Marinehauses. Im Laufe der Jahre wurde er mit Zwischendecken in Bürogeschosse unterteilt. Der aktuelle Umbau stellt die großzügige Wirkung mit durchgehenden Fenstern wieder her.

  • Bild: © Stiftung Stadtmuseum Berlin, Foto: Luca Girardini

Fast 30 Jahre Leerstand haben im inzwischen komplett entkernten Marinehaus ihre Spuren hinterlassen. Graffiti zeigen an, wo sich früher die Etagen befanden.



  • Bild: © Stiftung Stadtmuseum Berlin, Foto: Luca Girardini

Große Bogenfenster über mehrere Geschosse fluten den Saalbau mit Tageslicht. Auch nach Abschluss der Bauarbeiten werden die Fenster im Foyerbereich in voller Höhe sichtbar bleiben.

  • Bild: © Stiftung Stadtmuseum Berlin, Foto: Luca Girardini

Erd– und Untergeschoss sind zurzeit nicht mehr durch eine Bodenplatte getrennt.

  • Bild: © Stiftung Stadtmuseum Berlin, Foto: Luca Girardini

Unter der abgebrochenen Bodenplatte treten umfangreiche historische Fundamente hervor. Während der Bauarbeiten werden Details durch Holz geschützt.

  • Bild: © Stiftung Stadtmuseum Berlin, Foto: Luca Girardini

Auf die Gitterstruktur aus Bewehrungsstahl wird Beton gegossen. So entsteht ein stabiler Untergrund für den späteren Bodenbelag. Bis zu acht Meter tiefe Pfähle verankern das Marinehaus im Boden.

  • Bild: © Stiftung Stadtmuseum Berlin, Foto: Luca Girardini

Auch nach dem Umbau wird die rohe Backsteinstruktur sichtbar bleiben und einen rauen Kontrast zu den Holz- und Betonelementen der neuen Einbauten bilden.

  • Bild: © Stiftung Stadtmuseum Berlin, Foto: Luca Girardini

Ein kleiner Raum mit besonderer Form. An diesen Wänden fand das Bauteam eine Bildergalerie, die inzwischen abgehängt ist. Sie zeigt, dass auch in Zeiten des Leerstands Menschen im Marinehaus kreativ waren.

  • Bild: © Stiftung Stadtmuseum Berlin, Foto: Luca Girardini

Im Treppenhaus (links) wurden für die Sanierung der Wände die historischen Wandpaneele und das historische Geländer entfernt.

  • Bild: © Stiftung Stadtmuseum Berlin, Foto: Luca Girardini

Das Treppenhaus im Seitenflügel zeigt an den Decken die Reste historischen Stucks. Weil sie stark zersetzt waren, hat das Bauteam die Treppenstufen aus Holz entfernt.

  • Bild: © Stiftung Stadtmuseum Berlin, Foto: Anne Preussel

Dekorative Fliesen im Eingangsbereich des historischen Treppenhauses werden restauratorisch aufgearbeitet und vermitteln auch nach dem Umbau den Charme der Entstehungszeit.

  • Bild: © Stiftung Stadtmuseum Berlin, Foto: Luca Girardini

Die Holzverkleidung des Dachs dient als Wetterschutz während der Bauzeit. Auch nach dem Umbau wird ganz oben im Veranstaltungssaal das historische Dachtragwerk sichtbar bleiben.

  • Bild: © Stiftung Stadtmuseum Berlin, Foto: Luca Girardini

Rote Absperrungen warnen die Arbeiter:innen während der Bauzeit vor Gefahren. Über eine Seilwinde werden Baumaterial und Werkzeug transportiert.

  • Bild: © Stiftung Stadtmuseum Berlin, Foto: Luca Girardini

Die freigelegten ehemaligen Deckenbalken zeigen die frühere Geschosshöhe dieses Raumes im Seitenflügel. Für die geänderte Raumhöhe werden die Fenster (Bildmitte) versetzt.





  • Bild: Der bisherige Eingang des Märkischen Museum © Stiftung Stadtmuseum Berlin, Foto: Luca Girardini



Bauen, Märkisches Museum, Marinehaus

Der Kosmos Baustelle

Eine Annäherung 25. Februar 2026 — Judith Jenner

Die Sanierung des Märkischen Museum und des Marinehaus schreitet voran. Zwischen Staub, Maschinenlärm und matschigen Wegen lassen sich erste Räume erahnen. Eine Annäherung an den Kosmos Baustelle.

  • Bild: © Stiftung Stadtmuseum Berlin, Foto: Luca Girardini

Marinehaus (links) und Märkisches Museum (rechts) © Luca Girardini

Das Märkische Museum liegt mitten in Berlin und doch ein wenig versteckt. Von der Jannowitzbrücke führt der Weg an der chinesischen Botschaft vorbei in die Wallstraße hinein und weiter entlang an der Spree. Sobald der Fluss eine leichte Biegung nimmt, öffnet sich der Blick auf die große Baustelle. Der Backsteinbau mit seinem markanten Turm, den viele für eine Kirche halten, erhebt sich massiv.

Gegenüber, am Köllnischen Park, wird die Außenwand des Marinehauses durch eine schwere Stahlkonstruktion gestützt – beide Gebäude gehören zur Stiftung Stadtmuseum Berlin. Zäune, Schranken und ein Drehkreuz sichern das Areal.

Um die Bauarbeiten aus der Nähe zu betrachten, müssen Besucher:innen vorab angemeldet sein und sich an einem weißen Container ausweisen. Auch hinter dem Bauzaun gelten strenge Sicherheitsregeln: Helm, Weste und schwere Arbeitsschuhe sind Pflicht – ebenso für die Mitarbeiterinnen der Stiftung, denen die Baureferentin des Stadtmuseums Berlin, Isabelle Nispel, den Fortschritt der Arbeiten zeigt.

In voller Schutzmontur geht es in den ersten Hof des Märkischen Museums. „Hier wird später der neue Eingang sein“, erklärt Isabelle Nispel. Ein Grund für die Verlegung in den Innenhof ist die zukünftige barrierefreie Erschließung, ein zentraler Bestandteil des Umbaukonzeptes von SSP Rüthnick Architekten. So sollen Menschen mit Kinderwagen, Rollstühlen oder Rollatoren künftig ebenerdig, oder über einen Aufzug alle Räume erreichen können.

Fest verankert

  • Bild: © Stiftung Stadtmuseum Berlin, Foto: Luca Girardini

Im Keller des Märkischen Museums © Luca Girardini

Weiter geht es in den Keller. Es staubt und dröhnt, während ein großer Bohrer stabile Pfähle in den Boden treibt. Wegen der Nähe zur Spree ruhen das Märkische Museum und das Marinehaus auf bis zu acht Meter langen Pfählen. Damit der Keller künftig trocken ist und dem spreenahen Grundwasser standhält, wurde im Märkischen Museum zusätzlich eine abdichtende Konstruktion aus Stahlwänden und wasserundurchlässigem Beton hergestellt.

Eine Treppe führt anschließend nach oben, vorbei an in Holz „verpackten“ Spolien* in den Turm des Märkischen Museums. Tageslicht fällt durch das runde Ornament-Fenster, und der Blick über die Stadt ist beeindruckend. Nach der Wiedereröffnung sollen auch Besucher:innen diese Aussicht genießen können.



Direkt gegenüber: das Marinehaus

  • Bild: © Stiftung Stadtmuseum Berlin, Foto: Luca Girardini

Das Marinehaus ist entkernt © Luca Girardini

Auf der gegenüberliegenden Seite der gesperrten Straße Am Köllnischen Park steht das Marinehaus. Das Vorderhaus des mehrgeschossigen Gebäudes ist nur noch eine Hülle, die außen durch schwere Stahlkonstruktionen gehalten wird. „Sonst würde es wie ein Kartenhaus in sich zusammenfallen“, erklärt Isabelle Nispel.

Während das Märkische Museum mit seinen unterschiedlichen Baustilen fast labyrinthartig wirkt, ist das Marinehaus in seinem jetzigen Zustand eine große offene Fläche. Eigentlich gilt auf einer Baustelle die klare Regel: Immer auf den Weg schauen und niemals rückwärtsgehen. Doch das fällt schwer. Der Blick reicht vom Keller bis unters Dach. Bunte Graffiti lassen erahnen, wo einst die Geschosse waren. Mehr als 30 Jahre stand das Gebäude leer, wurde als Lost Place zur Spielwiese für Street-Art-Künstler:innen.

Über Bewehrungsstahl geht es im Storchenschritt durch das Erdgeschoss ins schummrige Treppenhaus an der Gebäuderückseite. Im Wettbewerb konnte sich der Entwurf des dänischen Architekturbüros ADEPT durchsetzen, der eine mehrstöckige Haus-im-Haus-Konstruktion für das entkernte Marinehaus vorsieht. Es soll in Zukunft als Kulturzentrum mit Veranstaltungsräumen, einem Theater, Werkstätten, einem Café und Künstler:innen-Studios die künstlerische Auseinandersetzung mit unserer Stadt fördern.

Bis sich Märkisches Museum und Marinehaus wieder mit kulturellem Leben füllen, liegen noch einige (Um-)Bauarbeiten vor uns. Dieser Blog wird sie begleiten.



*Gut zu wissen: Was sind Spolien? Jetzt nachlesen im Glossar von Baunetz Wissen.



Über die Autorin

Judith Jenner ist freie Journalistin aus Berlin. Sie schreibt schwerpunktmäßig über Architektur, Bauen und Stadtentwicklung. Besonders interessieren sie die Menschen und Geschichten, die hinter Bauprojekten stecken.

  • Bild: Im Turm des Märkischen Museums © Stiftung Stadtmuseum Berlin, Foto: Luca Girardini

FAQs zur Baustelle

Warum ist die Sanierung notwendig?

Das Märkische Museum am Köllnischen Park – Stammhaus der Stiftung Stadtmuseum Berlin – wurde 1908 als hochmodernes Museum eröffnet. Zur damaligen Zeit war Barrierefreiheit noch kein Thema, und es gab ganz andere Museumskonzepte als heute. Durch den Umbau nach dem Entwurf von SSP Rüthnick Architekten soll sich das Gebäude für alle Besucher:innen öffnen, auch für Menschen in Rollstühlen oder im Kinderwagen. Zudem muss es technisch und baulich ertüchtigt werden. So werden Licht- und Verdunklungstechnik erneuert und der Turm wird erstmals dauerhaft für Besucher:innen erschlossen.

Noch tiefgreifender sind die Baumaßnahmen im Marinehaus. Das Gebäude stand über 30 Jahre leer und hat in seiner Geschichte verschiedene Umnutzungen und Umbauten erlebt. So wurden 1970 während der Nutzungszeit des Freien Deutschen Gewerkschaftsbundes (FDGB) Zwischendecken in den Saalbau eingezogen. Während des Umbaus wird das Vorderhaus nun entkernt. Nur die Außenhülle bleibt bestehen. Innen wird eine mehrstöckige Haus-im-Haus-Konstruktion aus Holz nach den Plänen des dänischen Architekturbüros ADEPT eingebaut, deren Entwurf sich in einem Wettbewerb durchsetzen konnte.

Wie sollen die Gebäude in Zukunft genutzt werden?

Am künstlerischen Konzept beider Häuser wird gearbeitet. Im Märkischen Museum werden die Präsentationen grundlegend erneuert. Dauer- wie Wechselausstellungen werden mit den bedeutenden Sammlungen der Stiftung Stadtmuseum Berlin ebenso arbeiten wie mit Medien und neuen Formen musealen Erzählens. Das Marinehaus soll ein Kulturzentrum und kreatives Wohnzimmer für ganz Berlin werden: mit großem Veranstaltungsaal, eigenem Theater, Künstler:innen-Studios, verschiedenen Werkstätten und Gastronomie.

Wer bezahlt den Umbau?

Die Finanzierung erfolgt durch die Bundesrepublik Deutschland (durch den Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien) aufgrund eines Beschlusses des Deutschen Bundestages, das Land Berlin sowie die Stiftung Deutsche Klassenlotterie Berlin. Zuständig für die Baumaßnahmen ist die BIM Berliner Immobilienmanagement GmbH als Bauherrenvertretung, während die Stiftung Stadtmuseum Berlin als Nutzerin für die inhaltliche und künstlerische Gestaltung der beiden Orte zuständig ist.

Wann ist die Eröffnung geplant?

Momentan ist eine Wiedereröffnung des Märkischen Museum und Marinehaus für 2029 vorgesehen.

  • Bild: Im Marinehaus © Stiftung Stadtmuseum Berlin, Foto: Luca Girardini

Alle Beiträge

2. Juli 2026 — Judith Jenner
12. Juni 2026 — Interview Martin Krogh / ADEPT
29. April 2026 — Fotos von Luca Girardini
19. März 2026 — Fotos von Luca Girardini
25. Februar 2026 — Judith Jenner